Stiftung
Kleine Kunstdialog
West/Ost

Über uns

Stephan Balkenhol, ohne Titel, 1990: Holzrelief mit zwei Händen im Handschlag, ein Ärmel rot, einer weiß
Stephan Balkenhol — ohne Titel, 1990. Holzrelief. Aus der Sammlung der Stiftung.

Der Gedanke, eine Stiftung zum Kunstdialog West–Ost zu gründen, hat mit unserer persönlichen Entwicklung und den Erfahrungen zu tun, die wir gemacht haben, als wir direkt nach der Wende nach Chemnitz und später nach Dresden gezogen sind.

Ich bin in einer Sammlerfamilie groß geworden und sage immer scherzhaft, dass ich in Museen und Galerien aufgewachsen bin. Das Folkwang Museum in Essen war eines meiner Lieblingsmuseen, und ich habe immer das Gefühl, ich komme nach Hause, wenn ich es besuche und die Bilder einzeln begrüße. Meine Eltern haben im Bereich der Klassischen Moderne gesammelt, unser ganzes Haus war voll mit Bildern und Skulpturen. Meine Sicht auf die Welt haben die Kunst und die Künstler nachhaltig geprägt. In meiner Diplomarbeit in BWL über Mergers & Acquisitions und die Integration von Tochterunternehmen habe ich ein Kapitel dem Integrationsbegriff von Joseph Beuys gewidmet. Die Kunst war wie ein roter Faden in meinem Leben, und in jeder Stadt, die ich bereiste, bin ich als erstes in die Museen für klassische und moderne Kunst gegangen. Ich glaube auch, dass die Menge bei der Kunst den Blick schärft. Als ich meinen Mann traf und er in unsere Familie kam, wurde er mit dieser geballten Kulturladung konfrontiert und war schnell begeistert.

Als wir dann 1994 nach ein paar Jahren Pendeln zwischen Düsseldorf und Chemnitz fest nach Dresden gezogen sind, haben wir uns intensiv der Kunstszene dort gewidmet. Mein Mann hat ein Dienstleistungsunternehmen für Gebäudemanagement aufgebaut, und dort haben wir angefangen, unsere Begeisterung für Kunst weiterzugeben. Beim Umzug in unser neues Verwaltungsgebäude in Chemnitz haben wir alle Mitarbeiter in die bekannte und schon vor der Wende aktive Galerie Oben mitgenommen, und jeder sollte das Bild für sein Büro selbst aussuchen. Dabei haben wir uns auf die regionalen Künstler konzentriert. Das hat in der Sammlung den Grundstein für den Teil der Kunst aus dem Osten gelegt. Mit unseren Mitarbeitern haben wir Ausflüge in die Kunstsammlung Chemnitz und in die Nationalgalerie Berlin organisiert.

Die neue Leipziger Schule ist Anfang der 2000er Jahre durch Künstler wie Neo Rauch in der gesamtdeutschen Kunstszene ein bekannter Begriff geworden und hat den Blick auf die junge Kunst aus dem Osten gelenkt. In dieser Zeit entstand ein enger Kontakt mit der Galerie Gebr. Lehmann und mit der Gesellschaft für moderne Kunst in Dresden. Mit dem Künstler und Galeristen Holger Grauberg haben wir 2006 die Zeitung CO.OP herausgegeben, in der sich junge Ostkünstler präsentieren konnten. Daraus ergaben sich viele Atelierbesuche und, auch durch die Gesellschaft für moderne Kunst, ein umfangreiches Hintergrundwissen.

Genau wie unser privates Leben ist auch unsere Kunstsammlung durch die achtzehn Jahre im Osten geprägt worden. Wir haben viele Facetten der Wiedervereinigung und der unterschiedlichen Sozialisation kennengelernt, die die Entwicklung von West und Ost beeinflusst haben. Für unser Leben hat das einen sehr bereichernden Gedankenaustausch gegeben. Wir möchten mit der Stiftung im Bereich der Kunst zu einem konstruktiven Dialog beitragen und insbesondere junge Künstler aus West und Ost fördern.

Tanja Quadflieg


Die Stiftung in Zahlen

Staatliche Anerkennung2. Juli 2014
SitzDüsseldorf
StiftungszweckKunst und Kultur
Registernummer21.13 – St. 1726, Verzeichnis der selbständigen Stiftungen, Regierungsbezirk Düsseldorf
AufsichtsbehördeBezirksregierung Düsseldorf